Reittherapie

Frühere Klassenfahrten zu verschiedenen Reiterhöfen ermöglichten das gemeinsame Erleben in der Gruppe während des therapeutischen Reitens. Dabei wurden den Kindern und Jugendlichen unserer Schule Förderungsangebote vor allem in den Bereichen Persönlichkeitsentwicklung, Körper- und Sinnesentwicklung gegeben. In der Gruppe das Gefühl, kontinuierlich füreinander und gemeinsam für ein Projekt verantwortlich zu sein, ist dabei ein großer Gewinn für unsere sehr heterogene Schülerschaft. Die stufenübergreifende integrative Arbeit initiiert hier gruppendynamische Prozesse mit dem Ziel des Miteinander arbeiten, sich aufeinander verlassen und vertrauen können. Seit einigen Jahren nimmt sowohl der Teil der schwer mehrfach behinderten Kinder und der Kinder mit starken Verhaltensauffälligkeiten gravierend zu und führten uns zu Überlegungen, inwiefern diese beiden Schülergruppen verstärkt Angebote erhalten können. Basierend auf den bisher positiv gemachten Erfahrungen im Bereich der Reittherapie wollen wir in Zukunft das Therapeutische Reiten als einen Baustein in unseren Unterrichtsalltag einbauen.

Heilpädagogisches und hippotherapeutisches Reiten umfasst Bewegungs- und Reiterlebnisse mit dem Pferd sowie das Voltigieren als auch die Pferdepflege. Die Erfahrungen rund um das Pferd ermöglicht den Aufbau einer intensiven Beziehung zwischen Schülern und dem Partner Pferd. Mit wachsendem Vertrauen zum Pferd fallen Reitübungen, die entsprechend der körperlichen Möglichkeiten der Schüler durchgeführt werden, immer leichter. Diese neuen Erfahrungen führen zur Stärkung des eigenen Selbstbewusstseins. Das schrittweise Heranführen an die Versorgung und die Pflege des Pferdes trägt zu einem selbständigeren, aktiveren, verantwortlichen Umgang mit dem Tier bei. Für das in Gang setzen dieser dynamischen psychosozialen Prozesse ermöglicht das psychomotorisch orientierte Reitangebot ganzheitliche Erfahrungen, bei denen alle Sinne angesprochen werden.

Seit dem Schuljahr 2005/06 hat der Schulverein der Martin-Buber-Schule Sponsorengelder von verschiedenen Förderern für ein Projektangebot zum Therapeutischen Reiten erhalten und der Schule zur Verfügung gestellt.
Im vergangenen Schuljahr kamen zwei Schülergruppen zu je vier Schülern und Schüle¬rinnen im wöchentlichen Wechsel in den Genuss der Reittherapie. Sie wurden von einem schulinternen Physiotherapeuten, einer Heilpädagogin sowie einer Heilerzie¬hungspflegerin bzw. einem Zivildienstleistenden begleitet. Die heterogenen Klein¬gruppen setzten sich aus Schülern und Schülerinnen der Vorstufe sowie der beiden Unterstufen zusammen. Während den 60-minütigen Therapieeinheiten hatten die Schüler und Schülerinnen die Gelegenheit, auf den Pferden zu reiten und sie zu führen. Die Kinder waren ebenfalls für die Pflege der Tiere zuständig.

Jedes Kind wurde dabei entsprechend seines Krankheitsbildes und seines Förder-schwerpunktes individuell gefördert. In unseren Gruppen befanden sich Kinder mit Trisomie 21 (Down Syndrom), Kinder mit starken autistischen Zügen, Kinder mit hohen motorischen Einschränkungen sowie Kinder mit Verhaltensauffälligkeiten. Im Laufe des Schuljahres konnten bei allen Teilnehmern ganz individuelle Erfolge und Fortschritte in den Therapieeinheiten beobachtet werden. So fiel bei einigen Schülern und Schüle¬rinnen eine deutliche Verbesserung der eigenen Tonusregulierung (Muskelspannung) sowie eine Steigerung der Rumpfstabilität auf. Schüler mit starken Verhaltensauffällig¬keiten konnten sich besser an Regeln halten und gingen verantwortungsvoll mit den Pferden und ihren Mitschülern um. Den Kindern mit autistischen Zügen gelang es zu¬nehmend, Kontakte zum Partner Pferd aufzunehmen und sich zu öffnen. Diese Erfolge hatten auch positive Auswirkungen auf den Schulalltag und somit natürlich auch auf das Alltagsleben der Schüler und Schülerinnen.

Zur Organisation der Reittherapie hat die Lehrerkonferenz folgenden Regelungen zugestimmt: 

  • Die Schule plant und organisiert ein schulisches Angebot für eine Schülergruppe im aktuellen Schuljahr.
  • Zurzeit findet die Reittherapie im Sieferhof in Leichlingen statt.
  • Vereinbart ist ein wöchentlicher Termin mit jeweils 60 Minuten für eine Schülergruppe von vier Personen. Das Heranführen an die Arbeit mit zwei zeitgleich parallel eingesetzten ausgebildeten Therapie-Pferden findet vor Ort durch zwei Reittherapeutinnen und einer Praktikantin statt.
  • Begleitet und koordiniert wird die Reittherapiegruppe von dem Physiotherapeuten der Martin-Buber-Schule, der auch die körperlichen Voraussetzungen der Schülerinnen und Schüler kennt.
  • Die Schülerinnen und Schüler werden mit dem Schulvereinsbus transportiert.
  • Für die Eltern entstehen keine Kosten oder sonstige Verpflichtungen.
  • Die teilnehmenden Schülerinnen und Schüler benötigen keine besondere Kleidung; Reithelme sind hingegen erwünscht.
  • Dieses Angebot ist eine freiwillige Leistung der Schule und des Fördervereins, aus der keine Ansprüche abgeleitet werden können.